Eine wachsende Zahl an Menschen entdeckt den Pflegeberuf für sich – oft als Quereinsteiger. Rund jede fünfte Auszubildende in der Pflege ist inzwischen älter als 30 Jahre. Zwei von ihnen lernen im Caritas Pflegeheim in Neustadt an der Waldnaab.
Neustadt/Waldnaab. Pflege ist ihr Traumberuf. Das wissen Sabrina Ott, 34, und Evelyn Gößl-Frank, 35, genau. Denn beide haben nach der Schule zunächst einen anderen Beruf gelernt. Die eine war medizinische Fachangestellte, die andere Frisörin. Ein erfülltes Berufsleben kennen sie aber erst seit ihrem Wechsel ins Caritas Pflegeheim St. Martin in Neustadt an der Waldnaab. Dort machen sie derzeit ihre Ausbildung zur Pflegefachfrau.
Der Schritt kommt zur rechten Zeit – nicht nur für sie selbst. Die Pflege gehört zu den Branchen mit dem größten Fachkräftemangel in Deutschland. Schon heute fehlen bundesweit zehntausende Pflegekräfte, in den kommenden Jahren werden es deutlich mehr sein. Gleichzeitig entdeckt eine wachsende Zahl von Menschen den Beruf für sich – oft als Quereinsteiger. Rund jede fünfte Auszubildende in der Pflege ist inzwischen älter als 30 Jahre. Umschulungen werden häufig durch die Arbeitsagentur gefördert, die Ausbildung ist vergütet. Für viele ist es ein Neuanfang mit Perspektive.

Im Caritas Pflegeheim St. Martin sind Sabrina Ott und Evelyn Gößl-Frank zwei von ihnen. Beide stehen mitten im Leben. Beide haben Familie. Und beide sagen heute: Es war die richtige Entscheidung.
Sabrina Ott machte ihre erste Ausbildung 2010 zur medizinischen Fachangestellten. Viele Jahre arbeitete sie in einer Arztpraxis. Ein sicherer Beruf. Aber keiner, der sie ganz erfüllte. Das ist nun anders: „Der Pflegeberuf ist vielseitig. Es macht Spaß. Und ich helfe gerne anderen Menschen, die Unterstützung brauchen“, sagt sie über ihre neue Tätigkeit.
Der Anfang war ungewohnt. „Vom Praxisalltag in ein Seniorenheim – alles war neu. Man hatte keine Ahnung vom Ablauf oder den täglichen Aufgaben.“ Doch die Unsicherheit wich schnell der Routine. Auch, weil ihr Team sie auffing. „Meine Kolleginnen und Kollegen beantworten jede Frage, helfen und unterstützen mich.“
Ihre Ausbildung absolviert sie in Teilzeit. So bleibt Zeit für die Familie. Manchmal verschwimmen dabei die Rollen. „Merkwürdig ist es, wenn die eigenen Kinder einen für Schulaufgaben abfragen.“
Was man braucht? „Hilfsbereitschaft, Einfühlungsvermögen und Freundlichkeit“, sagt sie. Ihr Wunsch: „Eine gute Pflegefachfrau werden. Damit meine Bewohner zufrieden sind.“
Evelyn Gößl-Frank ist verheiratet und Mutter eines dreijährigen Sohnes. Ihr erster Beruf: Frisörin. Mit Pflege hatte sie zunächst nichts zu tun. „Der Wunsch war auf einmal da“, sagt sie. Mit 25 schnupperte sie erstmals hinein, begann als Helferin. „Das Herausforderndste war, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen.“ Eine Erfahrung, die bleibt. Und die den Blick verändert.
Im Team fühlte sie sich von Anfang an akzeptiert. „Ich habe mich schon damals wie ein vollwertiges Teammitglied gefühlt.“ Heute, in der Ausbildung zur Pflegefachfrau, ist die Unterstützung selbstverständlich. Auch zu Hause. Ihr Mann und ihre Eltern helfen bei der Betreuung des Sohnes. „Ohne sie wäre das nicht möglich.“
Wie gelingt gute Pflege? Ihre Antwort ist einfach: „Behandle jeden mit Respekt. Und pflege die Menschen so, als wären es deine eigenen Eltern.“ Angst vor dem Schritt in einen neuen Beruf hatte sie nicht. „Sonst wäre ich ihn nicht gegangen.“
Beide Frauen stehen beispielhaft für einen Weg, der für viele offen ist. Die Pflege sucht Menschen – und sie bietet auch etwas: Sinn, Verantwortung und einen sicheren Arbeitsplatz. Oder, wie Evelyn Gößl-Frank sagt: „Der erste Schritt ist der wichtigste.“ Und Sabrina Ott ergänzt: „Traut euch.“